Kultur-Guide
Gustav Klimt am Attersee
Wo der berühmte Maler seine Sommer verbrachte
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Wo der berühmte Maler seine Sommer verbrachte
Vierzehn Sommer. So oft kam Klimt an den Attersee. Zwischen 1900 und 1916, fast jedes Jahr. Hier malte er über 50 Landschaftsbilder - ein Viertel von allem, was er je gemacht hat. Und wer heute am See steht, sieht teilweise noch dieselben Motive. Verrückt eigentlich.
Klimt war Wiener durch und durch. Aber im Sommer? Da wollte er raus. Weg von der Hitze, weg vom Trubel. Am Attersee fand er beides: Ruhe und Inspiration.
"Die Gegend ist himmlisch schön", schrieb er mal. Kann ich nachvollziehen. Und interessant: Am See malte er komplett anders als in Wien. Keine goldenen Frauenporträts, keine Symbolik. Nur Wasser. Bäume. Gärten. Häuser. Die stille Seite des großen Meisters.
Er kam nicht allein. Die Familie Flöge - vor allem Emilie, seine Lebensgefährtin - mietete jedes Jahr eine Villa am See. Die beiden waren ein seltsames Paar. Ob wirklich ein Paar, darüber streiten Historiker bis heute. Aber zusammen waren sie, am Attersee und anderswo.
Hier wohnte die Flöge-Familie ab 1900. Das Haus gibt's noch, ist aber privat. Man sieht's vom See aus.
Von hier malte Klimt die kleine Insel Litzlberg. Immer wieder, in verschiedenen Versionen. Die Insel ist heute Naturschutzgebiet. Betreten verboten. Aber anschauen geht.
Ab 1908 zog die Familie weiter nach Kammer. Und hier entstanden die berühmten Schloss-Bilder. "Schloss Kammer am Attersee" - mehrere Versionen, alle unbezahlbar heute. Im Museum in New York hängt eines. Verrückt, wenn man davor steht und weiß: Das hat er hier gemalt.
Das Schloss selbst kann man besichtigen. Zumindest den Park. Der Blick vom See aufs Schloss - fast wie auf den Gemälden. Nur die Farben moderner.
Die letzten Sommer, 1914-1916, verbrachte Klimt am Südende des Sees. Die Bilder aus dieser Zeit wirken anders. Unruhiger. Expressionistischer. Vielleicht lag's am Krieg, der gerade begann.
In Kammer gibt's einen Themenweg. Etwa 4 Kilometer. Führt zu den Stellen, die Klimt malte. Mit Tafeln, auf denen die Gemälde abgebildet sind. Man steht da und vergleicht: Bild links, echte Landschaft rechts. Manche Sachen erkennt man sofort wieder.
Das Ganze ist einfach zu laufen. Vielleicht anderthalb, zwei Stunden mit allen Stopps. Auch für Familien machbar. Bei der Touristeninformation gibt's eine Broschüre dazu.
Eine Eigenheit von Klimt: Er benutzte immer quadratische Leinwände für seine Landschaften. Und er schaute durch einen kleinen Rahmen oder ein Fernglas, um den Ausschnitt zu finden. Daher der charakteristische Blick - wie ein Mosaik fast.
Viele Bilder zeigen das Wasser von oben. Wahrscheinlich saß er im Boot und malte. Das erklärt diese seltsame Draufsicht, die seine Landschaften so modern wirken lässt. Über hundert Jahre alt, sehen aber aus wie gestern.
Hier am See? Leider nirgends. Die Bilder sind über die Welt verstreut. New York, Wien, London. Eines der Attersee-Bilder wurde mal für über 100 Millionen Dollar verkauft. Das Klimt-Zentrum in Kammer zeigt Reproduktionen und erzählt die Geschichte - aber echte Klimts muss man woanders suchen.
In Österreich hat das Belvedere in Wien einige. Das Leopold Museum auch. Wenn man in der Nähe ist - hinfahren. Lohnt sich.
Die beiden haben sich ständig fotografiert am See. Emilie in ihren modernen Reformkleidern - sie war Modedesignerin, ziemlich erfolgreich sogar. Gustav im blauen Malerkittel. Die Fotos zeigen eine andere Seite von ihm. Entspannt. Fast lustig. Nicht der düstere Symbolist, den man von den Wiener Bildern kennt.
Ob sie ein Liebespaar waren? Wer weiß. Sie haben einander Hunderte Postkarten geschrieben. "Emilie" war eines der letzten Worte, die Klimt sagte, als er 1918 starb. Mehr muss man vielleicht nicht wissen.
Frühling und Herbst sind am besten. Weniger Leute. Und das Licht ist ähnlich wie auf Klimts Bildern - weich, nicht so grell wie im Hochsommer.
Mit Kindern: Ab zehn Jahren vielleicht interessant. Jüngere langweilen sich wahrscheinlich. Ein Tipp: Eine Art Schnitzeljagd draus machen. Welche Motive von den Tafeln kann man heute noch erkennen? Das macht's spannender.
Ich bin kein Kunstexperte. Aber wenn man hier steht, am Wasser, und weiß, dass Klimt genau hier stand und malte - das macht was mit einem. Die Landschaft hat sich kaum verändert. Das Licht ist dasselbe. Der See liegt da wie vor hundert Jahren. Manchmal spürt man Geschichte. Hier spürt man sie.